(M)ein Sufi-Roman: Meister der Jinn

3. November 2008

Vor knapp einem Jahr lernte ich – durch eine Verkettung so genannter “Zufälle” – einen amerikanischen Sufi und seinen Roman “Master of the Jinn” kennen. Spontan entschloss ich mich, das Buch auf Deutsch zu übersetzen und in meinem Verlag herauszubringen. So begann eine bereichernde Zusammenarbeit mit Irving Karchmar, der mich immer wieder berührt hat, mit seinem Buch und seinen E-Mails.
Aber – ich hatte den dafür notwendigen Aufwand unterschätzt (das passiert mir äusserst selten!) und so war ich über Monate mehr als ausgelastet, meine übrige Arbeit durfte, konnte, wollte ich ja nicht vernachlässigen. Nur mit der Unterstützung von Dr. Jürg Hedinger, einer ausgewiesenen Kapazität auf dem Gebiet der Literatur (und von stilistisch einwandfreiem Deutsch!), habe ich es schliesslich geschafft. Danke, lieber Jürg, an dieser Stelle für deine Hilfe!

Es hat sich gelohnt! Jetzt ist das Buch fertig und veröffentlicht und es ist – denke ich – gelungen. Ich stelle es euch hier kurz vor und kann es selbstverständlich wärmstens empfehlen! Es ist im Buchhandel und in Online-Buchshops erhältlich, beispielsweise bei Amazon und bei buch.ch

Buchtitel_Meister Meister der Jinn
von Irving Karchmar
ISBN 978-3-907091-02-9
Paperback, 184 Seiten
13,5 x 21 cm
CHF 29.50 / EUR 16.00

Der folgende Text stammt aus dem Klappentext, mehr brauche ich dazu nicht sagen – spannend, mystisch, einfach lesenswert!

“Mir, Ischaq dem Schreiber, wurde von meinem Meister aufgetragen, über die Reise zu berichten; von den Gefährten kam nur ich, dank der Barmherzigkeit Gottes, zurück.
Ali und Rami sind nicht mehr, ich sah sie ins Feuer gehen. Und auch Jasus, der Wahrsager der Herzen, sprang in die Flammen. Was aus dem jüdischen Weisen, seiner Tochter und dem grossartigen Hauptmann wurde, weiss ich nicht. Sie wollten nicht mit mir weggehen, als ich sie dazu aufforderte. Doch eines weiss ich mit Sicherheit: Der Dämon wartet immer noch dort. Baalzebul, der Herr der Jinn.”
So beginnt der geheimnisvolle Roman und führt den Leser in die Wüste der Tuareg, zum legendären König Salomo mit seinem magischen Ring, in einen schrecklichen Sandsturm, der das Verborgene ans Licht bringt, in eine Nacht ausserhalb der Zeit, in der die Sterne stillstehen, in die Stadt der Jinn, wo mächtige Wesen der Anderswelt aus der Verzweiflung zu neuer Hoffnung finden…
Die äussere Reise ist gleichzeitig eine innere, die abenteuerliche Geschichte gleichzeitig eine spirituelle, ganz in der Tradition des Sufismus, in Parabeln zu lehren.

“Meister der Jinn” wurde bisher in sechs Sprachen veröffentlicht: Englisch, Russisch, Bahasa (Indonesien), Türkisch, Malayalam (Indien) und Deutsch.

Mehr über den Autor…
Zu den Leseproben…

Irving Karchmar führt übrigens auch einen interessanten Blog (auf Englisch), in dem er immer wieder persönliche Erfahrungen veröffentlicht und auch Gedichte.

Ich freue mich natürlich sehr, wenn ihr das Buch lest und auch weiterempfehlt. Ich habe leider nicht die Möglichkeit, viel Geld in die Werbung zu investieren und bin für jede Unterstützung dankbar! Ihr könnt beispielsweise den obigen Text inklusive Bild einfach in ein E-Mail kopieren und an alle eure Bekannten schicken. Herzlichen Dank für eure Hilfe!

Für meine Seele

27. Oktober 2008

Das war eine lange Sommerpause, die ich hier im Blog eingelegt habe – geprägt von viel Arbeit, unter anderem habe ich drei neue Websites eröffnet und fleissig mit Texten gefüllt, die Links findet ihr in der Seitenleiste unter “Interessante Links”. Meine Hauptbeschäftigung war jedoch die Übersetzung eines Sufi-Romans aus dem Amerikanischen. Aber darüber mehr in einigen Tagen…
Jedenfalls ist jetzt diese zeitaufwändige Arbeit abgeschlossen und ich kann mich wieder regelmässig meinem Blog widmen. Wie zum Abschluss dieser Periode – oder vielmehr zum Beginn einer neuen, in der ich mir auch wieder mehr Zeit für mich, für meine Seele nehmen will – habe ich gestern ein Matinée-Konzert im Zürcher Rietberg Museum besucht, was ich lange nicht mehr getan hatte.

Ani Choying Drolma, eine tibetische Nonne aus Nepal, sang Mantras aus der buddhistischen Chö-Tradition. Ihre reine Stimme dringt bis auf den Seelengrund und hat eine klärende, befreiende Kraft. Im Saal war es mucksmäuschenstill, alle schienen versunken und weit weg… Es hat mir unheimlich gut getan und die tiefe Sehnsucht erneut geweckt, mich selbst auch wieder mehr der Meditation und dem inneren Rückzug zu widmen… Alles hat seine Zeit…

Hier noch einige Infos zu Ani Choying Drolma. Sie wurde 1971 in Nepal als Tochter tibetischer Flüchtlinge geboren. Mit 13 Jahren trat sie in das Kloster Nagi Gompa am Rande des Kathmandu-Tales ein. Sie wurde vom legendären Meditationsmeister Tulku Urgyen Rinpoche in buddhistischer Meditation, religiösen Gesändgen, Ritualen und Zeremonien unterwiesen.
Im Jahr 2000 gründete sie in Nepal eine Schule, die jungen Mädchen eine Berufsausbildung ermöglicht. Ihr neuestes Projekt ist ein Altersheim für alleinstehende Frauen. Alle Gagen ihrer Konzerte und des CD-Verkaufs kommen vollumfänglich diesen Projekten zugute.

Auf ihrer deutschsprachigen Website findet ihr alle weiteren Infos, auch den Link zu einem You-Tube-Video: www.choying.de

Politik – unverständlich…

9. April 2008

Nächstes Wochenende sind in Italien Wahlen; ich habe gestern mein Stimmcouvert zur Post gebracht (ich besitze auch einen italienischen Pass), geht es doch darum zu verhindern, dass Berlusconi zum dritten Mal an die Macht kommt. Das wäre mir schlicht unverständlich, wie die Italiener einem Mann nochmals vertrauen können (schon beim zweiten Mal habe ich mich gefragt :roll: ), der das Land für seine eigenen Zwecke (Geld und Macht) missbraucht, es verrät, verkauft wie irgendein Diktator in einer Bananenrepublik – und dann die Gesetze ändert, um für seine Schandtaten nicht ins Gefängnis zu wandern.
Wie dumm ist das Volk eigentlich? Müssige Frage, wenn man Berlusconis Medienimperium anschaut, mit welchem er vor allem durch die privaten TV-Sender Volksverdummung betreibt…
Vielleicht ist Italien wirklich unregierbar für jeden, der es einigermassen ehrlich meint, wie die letzten sechs Jahrzehnte zu beweisen scheinen. Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient.

Was ich noch weniger verstehe: Warum konnten sich nicht alle, die links dieser extremen Rechten stehen, einigen – nicht während der Regierung Prodi und nicht jetzt vor den Neuwahlen – und geschlossen dem gemeinsamen “Feind” entgegentreten? Dieses Phänomen beobachtet man ja nicht nur in Italien, sondern auch im Irak, wo Schiiten und Sunniten sich bekriegen, anstatt zuerst einmal gemeinsam für Frieden und eine stabile Ordnung einzustehen (gegen den “Feind” USA), in Palästina, wo Fatah und Hamas sich aufs Blut bekämpfen, bevor ein unabhängiger, freier eigener Staat entstanden ist (gegen den gemeinsamen “Feind” Israel) und schliesslich auch in den USA, wo Clinton und Obama sich gegenseitig schaden und keiner nachgeben will, obwohl es doch zuallererst darauf ankommt, gegen die Republikaner zu siegen… Ginge es den Politikern tatsächlich um das Land, um das Wohl des Volkes, müssten sie doch ihre persönlichen Machtgelüste und Interessen zurückstellen… Vielleicht bin ich einfach naiv.

P.S. Den Schweizern ist es mit der Nicht-Wiederwahl von Bundesrat Blocher für einmal gelungen – alle gegen einen… und dann sieht man weiter.

Der Eisbär

31. März 2008

Nein, nicht Knut und auch nicht Flocke, keines dieser bedauernswerten Geschöpfe, die ihr Dasein in Gefangenschaft fristen, sondern ein Eisbär, der seinen Lebensweg in der “wilden Welt” durchwandert: Robin – oder Shiro, wie seine unsterbliche Seele heisst.

Ich lese selten Bücher, aber dieses, das der Autor mir zur Rezension für die Sonnwandeln-Schriftenreihe anbot, zog mich an, ganz besonders, nachdem ich die Website des Autors Andreas Dudàs besucht und erfahren hatte, worum es geht.

Es ist die “Biographie” des Eisbären Robin – es könnte die Geschichte eines jeden Menschen sein –, der versucht, in diesem Leben glücklich zu werden, durch seine Erfahrungen, Erkenntnisse und den weisen Adler Alva lernt, den Ängsten und Wünschen seines Ego manchmal unterliegt, sie aber auch immer wieder besiegt und sich Schritt für Schritt seinem wahren Selbst nähert, seiner Seele Shiro.
Der Autor nennt sein Werk eine “moderne Fabel”; die Lehren, die wir alle daraus ziehen können, gehen aber weit über die einfache “Moral von der Geschicht” hinaus, die für gewöhnlich in Fabeln vermittelt wird.
Das Grundthema ist “Authentizität”: sich selbst sein, sich selbst lieben – aufrecht durch das Leben wandern, den Mut finden, zu sich selber und seinem Weg zu stehen, stets der eigenen inneren Stimme folgen…

Ich habe das Buch auf meiner langen Bahnreise nach Köln gelesen. Immer wieder musste ich schmunzeln über Robin, der die gleichen “Fehler” macht, in die ich auch einst gefallen bin (wie die meisten Menschen!), immer wieder staunen über die vermittelte Weisheit – und es hat mir ausgesprochen gut getan, bestimmte “Lehrsätze”, die ich wörtlich schon so geschrieben und anderen Menschen so gesagt habe, selber wieder einmal zu hören, beziehungsweise zu lesen!

SHIRO – das grosse Wagnis. Ein Buch, das ich euch allen empfehlen kann, weil es Lebensweisheit vermittelt, die nicht abgehoben, sondern “auf dem Boden steht”, und in einer Art und Weise, die es ermöglicht, sie in unserem gewöhnlichen Alltag umzusetzen!

Links:
Website des Autors
Bestellen bei Amazon

Gibt es ein Leben nach dem Blog?

8. März 2008

Für mich lautet die Antwort eindeutig: Ja! Weil ich in der Endphase eines Projekts meine Prioritäten bündeln wollte und gemäss meinem Vorsatz nur noch “Dienst nach Vorschrift” mache (keine Abend- und Sonntagsarbeit mehr), bin ich seit beinahe einem Monat Blog-abstinent; nicht nur habe ich in meinem eigenen nichts geschrieben (mit Ausnahme des “Hexen-Textes”, den ich schnell einfach rauslassen musste!), auch meine Lieblingsblogs habe ich kein einziges Mal besucht. Ich weiss sozusagen überhaupt nicht mehr, was in der Szene so läuft :lol:
Ich habe es nicht vermisst. Kaum je einen Gedanken daran verschwendet. Und darüber freue ich mich!
Nicht etwa weil ich zu dieser virtuellen Welt ohnehin seit jeher ein gespaltenes Verhältnis habe – auf der einen Seite nehme ich am Leben unterschiedlicher Menschen teil und teile meines mit ihnen, erfahre eine Menge über ihre Gedanken und Gefühle und teile meine mit; auf der anderen Seite liegen diese “Beziehungen” auf einer irrealen Ebene, die nicht wirklich zu meinem Alltag gehört, nicht das wahre Leben darstellt… Einige Blogfreunde habe ich im Lauf der letzten Monate auch persönlich kennen gelernt; es war eine ähnliche Erfahrung wie mit früheren Geschäftspartnern, mit denen ich Jahre lang nur telefonisch Kontakt hatte, wenn ich diese dann einmal von Angesicht zu Angesicht traf: Ich nahm diese Menschen im direkten Kontakt ganz anders wahr und sie wirkten ganz anders auf mich, als nur über die Stimme (beziehungsweise beim Bloggen über die Texte). Wahrscheinlich geben wir uns auch anders, wenn wir einem Menschen nicht Auge in Auge gegenüberstehen… Es bestehen eine gewisse Anonymität, Distanz, Schutz… Ich glaube, der umgekehrte Weg, zuerst persönlich und dann telefonisch oder schriftlich, wäre der echtere, natürlichere.
Nun bin ich aber völlig abgeschweift! Gefreut darüber, dass mir das Bloggen nicht gefehlt hat, habe ich mich aus einem anderen Grund. Weil ich meinen Alltag tatsächlich so gelebt habe, wie er sich angeboten hat, ohne mich dem Prinzip von Lust und Unlust zu unterwerfen mit seinem ewigen “Ich würde jetzt aber lieber das und das machen…”. In jedem Augenblick das tun, was gerade zu tun ist, ohne das eine dem anderen vorzuziehen, ohne das eine höher zu werten als das andere, ohne etwas dafür zu erwarten oder zu erhoffen, Nichthandeln im Handeln – Karma-Yoga pur!

Nachtrag, einige Stunden später, nachdem ich meine Lieblingsblogs alle besucht habe
Wie ich gerade entdeckt habe, ist einer meiner Lieblingsblogs “gestorben” – und wieder auferstanden unter neuem Namen: Zwillingssonne
Es gibt also tatsächlich ein Leben nach dem Blog :mrgreen:

Hexen leben gefährlich

18. Februar 2008

In Saudi Arabien wurde eine Wahrsagerin wegen Hexerei zum Tode verurteilt. Die Interventionen aus dem Ausland und von Menschenrechtsorganisationen haben bisher nichts genützt; nur der König könnte sie begnadigen, aber er hat Angst vor den mächtigen religiösen Führern. Die Frau wurde von einem Mann angezeigt, den sie angeblich mittels schwarzer Magie impotent gemacht hat.

Ich staune immer wieder, wie in solchen strengreligiösen Kulturen – nicht nur im Islam, sondern auch im Christentum (bis zum heutigen Tag, Stichwort Exorzismus) –, in denen der Glaube an Zauberei und Okkultes eigentlich gar nicht gestattet ist, weil er aus der heidnischen Zeit vor dem Buch (Evangelium, Koran) stammt, die Männer sich über die Doktrin hinwegsetzen, wenn sie sich durch weise, starke Frauen bedroht fühlen…

Ich kenne allerdings eine andere Hexen-Geschichte, in der sich ein Mann vernünftig verhalten hat. :wink:
Hind, die Mutter meines Wahlsohns* ist die zweite Frau seines Vaters; mit ihr lebt er zusammen und hat fünf Kinder. Mit seiner ersten Frau hat er ebenfalls fünf Kinder; sie lebt mit ihnen in einem eigenen Haus im gleichen Dorf – wie es sich nach islamischem Recht gehört.
Weil ihre älteste Tochter mit über 30 Jahren noch unverheiratet ist und zwei Söhne trotz Hochschulabschluss keinen Job finden, hat die erste Frau schon seit einiger Zeit die zweite, Hind, immer wieder des bösen Blicks beschuldigt – denn Hinds Kindern geht es gut: Der Älteste hat in der Schweiz studiert und lebt jetzt hier (mein Wahlsohn), der Zweitälteste hat gleich nach seinem Bachelor eine gute Stelle bekommen, der Jüngere studiert, die eine Tochter ist schon lange verheiratet und hat drei Kinder und sogar die jüngste mit ihren 18 Jahren ist bereits verlobt.
Als die erste Frau eines Tages hinter ihrem Haus eine tote Katze fand, begann sie Hind in der Öffentlichkeit der Hexerei zu bezichtigen – was nicht ganz ungefährlich ist, wie die Geschichte aus Saudi Arabien zeigt. Na ja, vielleicht wäre auch nichts passiert, ging es doch nicht um die Ehre eines Mannes, sondern nur um die Rivalität zweier Frauen… :mrgreen:
Jedenfalls handelte jetzt Hinds Zweitältester (der Älteste, der sonst in solch einer Situation als Familienoberhaupt amtiert, ist ja nicht im Land). Er lud die beiden Frauen und alle ihre Kinder in sein Haus ein und liess seine Mutter auf den heiligen Koran schwören, dass sie keine schwarze Magie angewendet und nichts mit dem “Unglück” der anderen Familie zu tun habe.
Damit war das Problem aus der Welt.

So geschehen vor wenigen Wochen im Jordanien des 21. Jahrhunderts. In der Schweiz wurde die letzte wegen Hexerei verurteilte Frau 1782 hingerichtet. Somit lässt sich voraussagen, dass in etwa zwei Jahrhunderten diese Länder, die sich noch im Mittelalter befinden, in die Neuzeit übertreten werden. :mrgreen:

*Mein Wahlsohn ist ein junger Mann (Araber, Ende 20, verheiratet, in der Schweiz wohnhaft), den ich vor einigen Jahren “adoptiert” habe (nicht formell) und dem ich seither wie eine Mutter in allen Belangen des Lebens zur Seite stehe.

Freizeitspiritualität

1. Februar 2008

Heute früh ruft mich eine Frau an, die sich unbedingt noch für meinen Meditationskurs von morgen anmelden will. Sie habe im Internet zwar schon gesehen, dass es keine freien Plätze mehr gebe – aber man könne ja einmal fragen.
Ich erkläre ihr, dass ich wirklich niemanden mehr aufnehmen kann, weil mein Raum aus feuerpolizeilichen Gründen nur für eine bestimmte Anzahl Personen zugelassen ist.
Daraufhin seufzt sie tief, klagt des Langen und des Breiten, wie gerne sie doch dabeigewesen wäre, wie viel ihr daran liege und wie schade, wie jammerschade das nun sei, ob es nicht doch eine Möglichkeit gebe, sie möchte unbedingt, vielleicht sage ja noch jemand ab… Und fährt dann fort: “Ich habe den Kurs schon vor einer Weile im Internet entdeckt, da gab es noch freie Plätze. Aber ich musste mit der Anmeldung zuwarten, weil ich noch nicht wusste, ob meine Freunde morgen zum Skilaufen in die Berge fahren und ich mit kann. Doch das geht nun leider nicht…”

Ja, man muss halt wissen, was einem wichtig ist, und Prioritäten setzen :roll:

Ugs. Abk., z.B. “LG” od. “CU” u.a.m.

31. Januar 2008

Umgangssprachliche Abkürzungen, zum Beispiel “Liebe Grüsse” oder “See you” und andere mehr

Unsere Zeit ist geprägt von Zeitmangel. Das äussert sich auch in der Art, wie wir schriftlich miteinander umgehen – möglichst kurz und knapp. Die SMS-Kultur hat natürlich auch dazu beigetragen, waren diese Kurzmitteilungen doch in der Anfangszeit auf 160 Zeichen begrenzt.

Als ich das Gymnasium besuchte, arbeitete ich jeweils an einem freien Nachmittag pro Woche auf einer Grossbank an der Zürcher Bahnhofstrasse, um mein Taschengeld aufzubessern. Ich war in der Abteilung, in welcher die Zahlungseingänge auf die Konti unserer Kunden verarbeitet wurden – wohl verstanden, ohne Computer! Ich glaube, wir hatten damals noch nicht einmal die Kugelkopf-Schreibmaschine mit Korrekturband :wink:
In einem grossen, zentralen Raum waren lauter Karteikästen: Für jeden Kunden gab es eine Karteikarte mit allen Informationen – die “Datenbank” des Vorcomputer-Zeitalters! (Heute kenne ich so etwas nur noch aus der Zentralbibliothek in Zürich, doch irgendwann wird dieses Relikt auch verschwinden…)
Bei den eingehenden Überweisungen für unsere Kunden, wurde jeweils die Kontonummer angegeben, die Adresse des Empfängers war jedoch oft unvollständig oder fehlerhaft. Ich musste diese also anhand der Karteikarte überprüfen, damit ich dann die korrekte Adresse auf die Gutschriftsanzeige tippen konnte.

Meine Chefin, die mich in die Arbeit einführte, schärfte mir ein, “Strasse” niemals mit “Str.” abzukürzen, das sei unhöflich. Ich habe vergessen, ob mir das damals einleuchtete oder nicht. Doch es muss mich auf jeden Fall beeindruckt haben, sonst wäre mir das wohl kaum 40 Jahre lang bis zum heutigen Tag in Erinnerung geblieben!

Heute verstehe ich das und teile diese Ansicht: Du bist es mir wert, dass ich mir die Zeit nehme, alles schön auszuschreiben, und dich nicht mit Abkürzungen abspeise. Indem ich die paar Sekunden mehr Zeit aufwende, Liebe Grüsse statt LG zu schreiben; Dienstag statt Di; besonders statt bes.
Das hat für mich mit Respekt und Wertschätzung zu tun. Und diese möchte ich jedem Menschen entgegenbringen und zeigen. Egal ob bei gechäftlicher Korrespondenz oder privaten Briefen, auch bei E-Mails und SMS.

“Schwarzer Montag” ?

22. Januar 2008

Das war gestern die Nachricht des Tages, die in unseren Medien sogar die Berichterstattung über das bevorstehende WEF und Roger Federers Sieg in den Schatten stellte: Weltweit sind die Börsen eingebrochen, angeblich wegen Panikverkäufen der Aktionäre.
Die fünf am stärksten betroffenen Firmen des SMI (Swiss Market Index) haben zwischen über 10 und 8 Prozent verloren und sind damit innerhalb eines Tages 214 Milliarden [oder so] weniger wert – sagte die Nachrichtenfrau des Schweizer Fernsehens.

“Milliarden weniger wert”??? Sind die Menschen, die dort arbeiten, plötzlich weniger wert? Und die Maschinen, die sie bedienen? Die Gebäude, in denen sie wirken? Die Preise ihrer Produkte auf einen Schlag gesunken?
Obwohl ich Betriebswirtschaft an der Uni studiert habe, werde ich die Finanzwelt nie verstehen.

Und jetzt, 08.44 Uhr, während die Börsen in Fernost bereits nochmals massiv crashen, putze ich meine Wohnung – in meinem kleinen gewöhnlichen Alltag… das Einzige, was im Leben zählt.

Lebensphase 3

20. Januar 2008

Zum letzten Abschnitt meines Textes vom 18. Januar hat Sylke den treffenden Kommentar abgegeben:

Nun ja, so ein Beweis kann ja durchaus attraktiv sein :mrgreen: !

Ich musste schmunzeln und dachte: Das ist ja das Problem! :mrgreen:

Ich will es nicht mehr. Ich habe 16 Jahre lang mit meinem Partner zusammengelebt, bis der Tod uns geschieden hat, habe durch ihn drei Stiefkinder und fünf Stiefenkel (und irgendwann – inshallah – kommen bestimmt noch einige Stiefurenkel dazu!), habe nach ihm noch zwei Liebesbeziehungen gehabt, die wegweisend für mein Leben gewesen sind. Aber das wars jetzt. Damit ist genug.

Ich habe diese Erfahrung – der Partnerschaft und Familie – gemacht und hinter mir (wobei die Familie selbstverständlich noch absolut gegenwärtig ist). Sie war wichtig, überaus wichtig, doch jetzt bin ich eine Lebensphase weiter: Ich will mich nur noch auf mein inneres Leben konzentrieren, auf meine Beziehung mit dem Göttlichen. Selbstverständlich sind zwischenmenschliche Kontakte nach wie vor wichtig, das gewöhnliche Leben im Alltag, mit den Herausforderungen und Konfrontationen, die mich auf meinem Weg weiterführen. Ich denke nicht an einen Rückzug aus dem äusseren Leben – Spiritualität findet im Alltag statt! Doch eine Partnerbeziehung mit ihrer auf einen Menschen fokussierte Liebe, die eine gewisse Priorität und zeitweise Ausschliesslichkeit mit sich bringt, ist für mich ein grosses Hindernis auf dem Weg zu mir selbst.
Wie gesagt, vielleicht muss ich nochmals in eine solche Erfahrung eintauchen, weil ich gewisse Dinge bisher nicht begriffen oder nicht wirklich gelernt habe – dann wird die Göttliche Mutter mich wieder mit aller Macht in sie hinein zwingen. Ich nehme an, was mir gegeben wird. Aber ich werde mich mit all meiner Kraft dagegen wehren, eine von meinem Ego gewünschte Beziehung einzugehen. (Sag niemals nie… :twisted: )

Um Missverständnissen vorzubeugen: Was ich hier schreibe, gilt für mich. So wie ich mich spüre und zu kennen glaube. Es soll nicht als ein allgemeines Plädoyer gegen Partnerbeziehungen verstanden werden. Der Weg eines jeden Menschen ist einzigartig und verschieden von allen anderen Wegen – jeder Mensch sollte ausschliesslich auf sich selber hören und so handeln, wie er es für sich als richtig und wahr empfindet.

In Indien werden im menschlichen Leben vier Phasen unterschieden, der Sinn des Lebens wird sozusagen aufgeteilt: Die ersten 20 Jahre dienen dem Lernen, sozusagen dem Erwachsenwerden, dem Erwerb aller Fähigkeiten, die man zum Leben braucht; die nächsten 20 Jahre sind der Familie gewidmet, dem Gelderwerb, der “Karriere”; in der dritten Periode folgt dann das religiöse Leben mit Lesen der heiligen Schriften, Ritualen usw.; und in der vierten Phase schliesslich zieht man sich als Einsiedler zurück und versucht Moksha zu erlangen, die Befreiung oder Erleuchtung.
Ich würde diese Aufteilung nicht so rigoros verstehen, jede der vier Phasen enthält auch Elemente aus anderen.
So hatte ich schon in meiner Kindheit eine stark religiöse Phase. Ferner kommt man in unserer Gesellschaft meistens auch nach 40 nicht darum herum, noch Geld für den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen :roll: Und ob die Familienbande sich je ganz durchtrennen lassen, weiss ich nicht…

Jedenfalls sehe ich mich gegenwärtig in der dritten Phase, die ich die “Phase des inneren Rückzugs” nennen möchte: Die Mitglieder meiner Familie sind weitgehend “versorgt”; bezüglich meiner Arbeit habe ich eben erst die Erkenntis gehabt, ihr die bisherige Bedeutung in zeitlicher und inhaltlicher Hinsicht wieder einmal zu entziehen (siehe mein Beitrag vom 8. Januar); was das “gesellschaftliche” Leben betrifft, hat es mir ohnehin nie viel bedeutet und es reduzierte sich in den letzten Jahren mehr und mehr auf meine Familie und einen ganz, ganz kleinen Freundeskreis.
Und es gibt jetzt schon recht viele Momente, die ich aus Phase 4 vorbeziehe. :lol: Wenn meine geliebte Mutter, der ich beistehe und die ich nicht allein lassen will, eines Tages nicht mehr in dieser Welt weilt (möge die Göttliche Mutter diesen Tag noch lange hinauszögern!), wird es nichts mehr geben, was mich vom Übertritt in den nächsten Lebensabschnitt, die “Phase des äusseren Rückzugs” abhalten könnte… Ein einfaches Haus irgendwo in den Alpen, fern vom nächsten Dorf…

:mrgreen: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt :mrgreen: Was weiss ich, was der Göttliche Plan für mich vorsieht!