Tierversuche
Ein Beitrag am Rande in der gestrigen Tagesschau mit den bekannten grausigen Bildern: Zwischen 2004 und 2008 haben die Tierversuche in der Schweiz um 16 % zugenommen – obwohl die Pharma- und die Kosmetikindustrie immer beteuern, sie würden sie auf ein Minimum reduzieren.
An der Diskussion, ob die Ergebnisse von Tierversuchen wirklich auf den Menschen übertragen werden können, wie sinnvoll sie generell sind, will ich mich schon gar nicht beteiligen. Sie ist meines Erachtens sekundär.
Mich beschäftigt die Frage: Wer sind wir Menschen denn, dass wir uns das Recht herausnehmen, anderen Wesen willentlich Leid zuzufügen und sie zu töten? Dass wir uns selbst über den Rest der Schöpfung stellen?
Ich weiss, die Frage ist müssig, solange wir nicht einmal genug unternehmen, um das Leiden unzähliger unserer Mitmenschen zu lindern…

Am 3. Mai 2009 um 00:50 Uhr
Speziesismus nennt sich das. Kennst Du den Film Earthlings?
Und, rein interessehalber die Frage hintendran: Bist Du Vegetariern?
Vom andern Standpunkt her gesehen: wäre es ethisch korrekter, medizinische Versuche an Menschen durchzuführen? Einige Menschen leiden zu lassen, um das Leid vieler anderer lindern zu können? Oder sind dafür nicht doch “die paar Tiere” besser “geeignet”?
Hochbrisantes Thema, das mich auch schon lange beschäftigt. Bei der Tierversuchsfrage ist meine erste, impulsive Antwort immer “DAGEGEN”. Aber alles hat eben zwei Seiten.
Ja, müßig ist ein gutes Wort für diese Fragestellung.
LG von der Feuerseele
Am 5. Mai 2009 um 09:43 Uhr
In dieser Frage kann ich die andere Seite der Medaille nicht sehen, liebe Feuerseele!
Hast du schon einmal bei Tierversuchen zugeschaut, ich meine nicht ein Foto oder einen Film, sondern “live”, ganz nahe? Den stillen Schrei von Angst und Schmerz gefühlt, die flehenden Augen der Tiere, die dir zurufen “Bitte hilf mir”, gesehen? Das kannst du nicht mehr vergessen.
Es ist meine tiefste Überzeugung, dass wir nicht das Recht haben, anderen Wesen Leid zuzufügen – dafür gibt es keine Rechtfertigung, keine.
Ich kann nachvollziehen, dass man ein Tier tötet (kurz und schmerzlos), um es zu essen – so ist die Natur, der eine frisst den anderen. Bevor wir Menschen nicht zu einem höheren Bewusstsein gelangen, wird das wohl auch bei uns so bleiben…
Und schliesslich töte ich meinen Salat auch, um ihn zu essen.
Um zu den Tierversuchen zurückzukehren: Es stellt sich für mich höchstens noch die Frage, von welcher “Bewusstseinsstufe” an ein Wesen Schmerz und Leiden empfindet. Tut es Bakterien auch weh, wenn man Versuche mit ihnen macht? Ich weiss es nicht. Aber dass es Ratten und Hunden und Affen weh tut, das weiss ich!
Und ein weiterer Gedanke zu diesem Thema. Es geht der Pharmaindustrie ja nicht darum, den Menschen etwas Gutes zu tun, sondern nur um Profit, Geld. Wozu müsste man sonst ein x-tes Schmerzmittel auf den Markt bringen (mit all den vorangehenden Tierversuchen), wo es doch schon über ein Dutzend äusserst wirksame gibt? Und warum gibt es bisher keine Impfung gegen Malaria und andere Tropenkrankheiten, die nur in armen Ländern vorkommen?
Dafür haben wir Pillen, die das Fett, das wir im Überschuss zu uns nehmen, verbrennen sollen – und unzählige Tiere mussten leiden, bis das Medikament verkauft werden durfte.
Das Grundproblem ist doch dies: Wir Menschen akzeptieren nicht, dass Krankheit und Tod zum Leben gehören. Deshalb tun wir alles dafür, sie daraus zu verbannen. Ohne Rücksicht auf andere Wesen. Für mich ist dieses Verhalten so etwas von entwürdigend für die Tiere, für die ganze Natur – und vor allem für uns selbst.
Und um noch ganz direkt auf deine Fragen zu antworten:
Nein, Earthlings habe ich nicht gesehen.
Ja, ich bin seit über 20 Jahren Vegetarierin.
Ja, wenn die Pharmabosse neue Medikamente auf den Markt bringen wollen, dann sollen sie sie an sich selbst testen.
Nein, nein und nochmals nein, Tiere sind nicht “besser” geeignet!
Alles Liebe für dich, Feuerseele,
Karin
Am 8. Mai 2009 um 17:24 Uhr
Ich bin begeistert, liebe Karin, es tut so gut, Menschen zu erleben, die mit voller Leidenschaft und Überzeugung hinter dem stehen, was sie sagen/schreiben/tun.
Ja, hinter der Maske der Pharmazie steckt eine RIESEN-Geldmaschine. Getrieben vom “Spiel” mit dem menschlichen “Leid” und seiner Angst vorm “nicht gesund sein”.
Aber: “Ja, wenn die Pharmabosse neue Medikamente auf den Markt bringen wollen, dann sollen sie sie an sich selbst testen.” — Gut, im Falle von 08/15-Schmerzmitteln, Nasensprays und Halsschmerztabletten kann ich dem zustimmen.
Aber was ist mit einem Mittel, das unter dem Mikroskop den Hi-Virus platt macht, aber u.U. zu massiven physischen Schäden führen kann? Soll man das dann auch an einem Mensche testen? Wie?
Oder ist, um bei dem Beispiel zu bleiben, eine HIV-Infektion auch “nur” eine Schicksalsaufgabe, mit der wir umgehen müssen? Und wenn ja, gilt das dann auch für die vielen afrikanischen Kinder, die mit HIV auf die Welt kommen? Ich bleib ein bisschen im “Klischee”, mag gern wissen, wie Du darüber denkst!
Und: hat Salat ein Schmerzbewusstsein?
LG von der
Feuerseele
Am 9. Mai 2009 um 15:03 Uhr
Danke für deine Begeisterung, Feuerseele! Diese kann ich nur erwidern – ich habe vor einiger Zeit in deinem Blog gelesen, wie konsequent du dich gesund/biologisch ernährst. In dieser Beziehung nehme ich es nicht ganz so genau – gesund, ja, da achte ich sehr darauf, aber Bio nicht immer.
Ich weiss nicht, ob der Salat ein Schmerzbewusstsein hat. Ich habe vor vielen Jahren einmal ein Buch gelesen (Das geheime Leben der Pflanzen), in dem der Autor von Experimenten berichtete, die schon vermuten lassen, dass auch Pflanzen Empfindungen haben. Doch wie gesagt, irgend etwas muss ja auch ich essen
Zu deinen Gedanken zur Medikamentenforschung. Ich persönlich messe dem menschlichen Leiden nicht mehr Gewicht zu als einem tierischen Leiden, deshalb meine radikale Haltung gegen Tierversuche. Mehr kann ich dazu einfach nicht sagen.
Nur noch ein Gedanke (und ich klammere bewusst das Nord-Süd-Gefälle aus): Früher litten und starben die Menschen an der Pest, Tuberkulose, ja bis fast Mitte des letzten Jahrhunderts noch an einer Lungenentzündung. Heute sterben sie, abgesehen von den selbstverschuldeten Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen, an AIDS, SARS, Vogel- und Schweinegrippe. Die Natur lässt sich immer wieder etwas einfallen! Wozu sollen wir also ständig neue Medikamente gegen neue Krankheiten entwickeln (und dafür Millionen von Tieren leiden lassen)? Wir hinken doch immer einen Schritt hintennach…
Ich glaube fest daran, dass das Leben einen Sinn hat, nämlich unsere innere Entwicklung, und wir den Erfahrungen (auch leidvollen) nicht entgehen können, die uns auf unserem Weg weiterführen. Und muss ich zu diesem Zweck eine schwere Krankheit durchmachen, ist es mir ziemlich egal, ob ich an der Pest oder an der Schweinegrippe sterbe
Die Hysterien der letzten Jahre (zuerst SARS, dann die Vogelgrippe und jetzt die Schweinegrippe) zeigen doch deutlich die Schizophrenie der Menschheit: Wie viel Angst hat sie vor solchen möglicherweise auftretenden Krankheiten – aber nicht vor den realen Gefahren, wie Rauchen, übermässigem Alkoholkonsum, ungesunder Ernährung und (man verzeihe mir meine Boshaftigkeit!) vor all den Medikamentennebenwirkungen, ärztlichen Behandlungsfehlern und den Erregern, die man in Krankenhäusern aufliest!
Warum “unschuldige” Kinder mit HIV auf die Welt kommen, weiss ich nicht – ich meine, von einer höheren Warte aus betrachtet. Ob es ihr Karma aus früheren Existenzen ist oder ein anderer Grund…
Ich glaube, es steht mir nicht zu, es zu wissen – ich vertraue darauf, dass das Göttliche schon weiss, warum. Und ich kann nur versuchen, mit den mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu helfen und das Leiden von Kreaturen zu lindern versuchen, seien es Menschen oder Tiere.
Eine herzliche Umarmung für dich, Feuerseele!