Der norditalienische Frühling meiner Kindheit

Seit Jahren führt mich mein Morgenspaziergang an die gleichen Orte. Und doch habe ich vor einigen Tagen zum ersten Mal die Primeln am noch herbstlich braunen Hang entdeckt.

Primeln

So sah die Landschaft im Norditalien meiner Kindheit aus, wenn wir am Wochenende übers Land fuhren. Alles noch braun, trocken, es wirkte immer recht unordentlich und verwahrlost, doch an spärlich bewachsenen Hängen rechts und links der Strasse lächelten hellgelb und zartlila die Primeln im fahlen Februarsonnenschein.
Als ich Mitte der 1960-er Jahre in die Schweiz kam, wuchsen hier keine wilden Primeln, nur Schlüsselblumen. Ich bin nicht einmal sicher, ob es die in den intensiven Farben von Violett über Purpur bis zu Maisgelb gezüchteten in den Töpfen und Gärten schon gab.
Inzwischen haben sie sich ausgebreitet, mit dem Wind, und sind dabei, sich die Natur Böschung um Böschung, Hang um Hang zu erobern.
Sie berühren mich immer auf seltsame Weise, zart wie sie wirken, widerstandsfähig wie sie sind. Nur der betörende Duft der Narzissenhänge meiner Kindheit, die ich seither erst einmal wiedergesehen habe, ist mir in meiner Erinnerung noch näher.

2 Reaktionen zu “Der norditalienische Frühling meiner Kindheit”

  1. Feuerseele

    Das klingt wunderschön! :) Und ist es nicht toll, wie Erinnerungen und Gerüche zusammenhängen? Narzissenhänge … stell ich mir wuuunderschön vor. Narzissen verbinde ich mit Wales … Über Nacht blühten alle auf, und das ganze Dörfchen, in dem ich zwei Monate lebte, erstrahlte in gelbem Duft. Toll, einfach toll … :-) LG von der Feuerseele :)

  2. karin

    Hallo Feuerseele!

    Gelbe Narzissen in Wales – ich war noch nie dort, stelle es mir aber wunderschön vor! “Meine” Narzissen in Italien waren die weissen, und die gibt es in der Schweiz leider nur selten. In der Gegend des Genfersees sollen noch welche wild wachsen…

    Ganz herzliche Grüsse an dich!
    Karin

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