für spirituelle Entwicklung
und Selbstveränderung
Eine Publikation des nada Verlags
Themenübersicht
Nr. 8: Sieben Tugenden, sieben Sünden. Teil 2.
Thematischer Überblick
Im zweiten Teil geht es um die „Sünden“ Sinneslust, Unmässigkeit und Trägheit/Traurigkeit bzw. um die entsprechenden Tugenden Sinneslust (ist zugleich eine Tugend!), Gelassenheit und Zuversicht/Gleichmut.
Wir dürfen und sollen die Schöpfung durch unsere Sinne geniessen, uns aber bewusst sein, dass wahre, anhaltende Zufriedenheit nicht aus sinnlichen Genüssen stammen kann.
Trägheit und Traurigkeit sind oft in einem Teufelskreis miteinander verwoben.
Beispiele für erörterte Detailfragen
• Trägheit ist nicht mit Faulheit gleichzusetzen: Auch in der Aktivität kann Trägheit liegen • Trägheit als Verweigerung der Lebensfreude • Wie Trägheit und Traurigkeit einander bedingen und wie wir aus diesem Teufelskreis wieder heraus kommen • Radikale Askese als Weg? • Ist Sexualität ein Hindernis für spirituelle Menschen? • Die Schöpfung geniessen oder ihr entfliehen • Gleichmütig oder gleichgültig? • Trägheit oder Geschehenlassen? • Es gibt keine grundlose Traurigkeit • Stillstand auf dem spirituellen Weg
Entwicklungsziel
Ich bin wachsam für meinen Drang, die Sinne zu befriedigen, besonders für alles Übermässige, und baue meine Abhängigkeit von der Befriedigung sinnlicher Genüsse ab.
Ich bin wachsam für meine Trägheit, nicht zu erledigen, was ansteht, oder eine Tätigkeit der anderen vorzuziehen, und überwinde sie mit Einsicht, Willenskraft und stetem Bemühen.
Leseprobe
Die Vorstellung, dass die Welt „Maya“ (= Illusion) sei, legt nahe, uns von ihr zurückzuziehen und die „Wirklichkeit“ zu suchen.
Alles hängt aber an der Definition von „Illusion“. Verstehen wir darunter, dass das Leben wie ein Traum ist, zeitweise ein Albtraum, so ist die logische Konsequenz, dass wir aufwachen und in die paradiesische Wirklichkeit zurückkehren wollen – durch das Transzendieren dieser Welt.
Das ist der Weg des Buddha, in einem Satz zusammengefasst: Alles Leben ist Leiden, weshalb wir die Illusion unseres Ego und den Kreislauf der irdischen Wiedergeburten aufheben und ins Nirwana gelangen müssen. Dabei verlasse ich als Individuum die Welt, überlasse sie ihrem Schicksal mit all dem Leiden (das für jeden Menschen, der „darin steckt“ keine Illusion, sondern schmerzhafte Wirklichkeit ist!). Die Welt ändert sich nicht dadurch, dass ich ihr entfliehe.
Unter Illusion können wir jedoch auch Folgendes verstehen: Es gibt ein Göttliches, das sich in der Materie, in allem Existierenden und somit auch in uns Menschen entfaltet hat (Schöpfungsakt); die Welt, das Universum und alle Ereignisse in Raum und Zeit sind absolut wirklich – unsere Illusion liegt darin, dass wir uns als vom Göttlichen getrennt wähnen, wir haben sozusagen „vergessen“, dass wir ein Teil des Göttlichen sind.
Anders ausgedrückt: Alles ist Eins, es gibt nichts ausser dem Göttlichen. Die Schöpfung ist das Spiel des Göttlichen mit sich selbst. Unser Ziel ist dann, uns dieser Einheit wieder bewusst zu werden – trotz oder gerade dank unseres Wirkens in dieser Welt.
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